Zuversicht ist kein naiver Optimismus, sondern eine realistische und aktive Haltung, die gerade in Krisenzeiten trägt. Inga Horny, Vorstandsmitglied von Stadtmarketing Austria und Geschäftsführerin von Klagenfurt Marketing, spricht mit dem ZEIT Wissenschaftsjournalisten und Physiker Ulrich Schnabel darüber, warum es entlastet, Unsicherheit zuzulassen, wie sehr Zuversicht von Gemeinschaft lebt und weshalb oft schon der erste Schritt entscheidend ist, auch ohne fertigen Plan. Ulrich Schnabel erklärt, wie Rituale unser negativ verzerrtes Gehirn auf Positives ausrichten können und warum Resonanz mit Menschen, Natur oder Musik eine zentrale Quelle innerer Stabilität ist. Zum Abschluss richtet sich der Blick auf Organisationen und Unternehmen und auf die Frage, warum Teamatmosphäre, psychologische Sicherheit und Humor entscheidende Faktoren für Zuversicht und Zusammenarbeit sind.
In dieser Folge:
Aufgenommen: Denkwerkstatt 2025, Bregenzerwald
Mit: Inga Horny & Ulrich Schnabel
Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge der Urban Insights. Wir befassen uns mit allen Facetten von Stadtmarketing und lebenswerten Städten. Wenn Sie nun dranbleiben, werden Sie danach mit großer Sicherheit zuversichtlicher sein. Inga Horny von Stadtmarketing Austria spricht mit dem Wissenschaftsjournalisten und Autor Ulrich Schnabel darüber, wie es uns gelingt, Krisen zu bewältigen und warum es in Gemeinschaft mit anderen Menschen noch viel effektiver glückt. Freuen Sie sich darauf, unter anderem gleich zu hören, dass Sie nicht immer souverän sein und performen müssen. Dass es sich immer lohnt, den ersten Schritt zu tun, auch wenn Sie nicht wissen, wohin der Weg überhaupt führen soll. Wie Sie Ihr Gehirn auf die positiven Dinge in Ihrem Leben fokussieren können und wie Ihre Zuversicht durch Rituale und Resonanz wächst. Das Gespräch wurde im Rahmen der Denkwerkstatt zwei tausend fünf und zwanzig im Bregenzer Wald aufgenommen. Ulrich Schnabel Herzlich willkommen! Wir reden heute über die Zuversicht. Hallo Physiker, Journalist bei der Zeit ein ein. Ein Zugang, der nicht vielleicht so einfach ist zur Zuversicht. Nicht erwartet, nicht erwartet. Wir leben in einer Zeit des großen Umbruchs. Wir haben Klimakrise. Wir haben ein Problem mit dem Wasser weltweit. Wir haben Kriege, alles Mögliche, wir haben einbrechende Finanzen, Inflation, Ähnliches. Dieser Umbruch macht bei vielen von uns Angst, Unsicherheit. Also meine Mutter hat ein Sprichwort Große Elefanten muss man in kleinen Stücken essen. Das hat mir auch immer weitergeholfen. Man kann da Angst mit dieser Zuversicht begegnen. Die Frage ist aber Was ist diese Zuversicht eigentlich? Ja, also ich glaube, dass erst die erste Erkenntnis ist, anzunehmen, dass wir in so einer Zeit des Umbruchs leben. Also dass nicht abzulehnen oder abzuwehren, sondern anzuerkennen. Ja, wir leben in diesen Zeiten und wir sind alle damit beschäftigt. Also ich bin nicht alleine mit diesem Gefühl der Unsicherheit und der Überforderung, sondern das teilen wir alle. Das, finde ich, ist schon mal ein eine Möglichkeit, damit anders umzugehen. Und das Zweite ist, sich auch zuzugestehen, dass man sich verunsichert, auch manchmal überfordert fühlt oder vielleicht auch manchmal ängstlich. Also auch das gehört erst mal dazu, das anzuerkennen. Also sich selbst nicht den Druck aufzuerlegen, jetzt immer gelassen und super souverän zu sein, sondern wir sind alle mal verunsichert. Und wenn ich mir das auch selbst zugestehen kann, dann nimmt das schon mal ein bisschen Druck raus. Wir sind ja heute in so einer Gute Laune Gesellschaft, wo das eigentlich gar nicht sein darf. Ja, und ich glaube, gerade das erzeugt einen Druck, der manchmal eher kontraproduktiv ist. Also das würde ich sagen, ist schon mal der erste Schritt, sich diese Gefühle selber zuzugestehen. Und das nächste ist, dass es für mich enorm wichtig ist, das nicht als individuelles, alleiniges Problem zu betrachten, das ich alleine lösen muss. Denn häufig zeigt sich, wenn ich mit jemandem darüber reden kann, so wie wir jetzt über dieses Thema reden, dann ändert das schon etwas. Weil wenn ich, sobald ich in der Lage bin, über meine Ängste zu sprechen, die zu formulieren, dann habe ich die in gewisser Weise zumindest sprachlich schon mal unter Kontrolle gebracht. Ja, also das Schlimmste ist, zu Hause zu sitzen, alleine und in seinem in seiner Angst, auf dem Sofa zu versacken. Ja, das hilft einem meistens nicht raus, sondern eigentlich braucht es so eine Gegenbewegung. Gerade in so einer Zeit, wo man sich am liebsten zu Hause verkriechen würde, halte ich es für total wichtig, Kontakte zu anderen zu knüpfen, sich auszutauschen mit anderen Menschen. Und deshalb finde ich die Aktivitäten des Stadtmarketings so wichtig, weil das genau da werden sie Räume Gelegenheiten geschaffen, dass sich Leute treffen können. Großartig. Also dieses Treffen können ins Gespräch kommen mit anderen. Ist für dich eine Möglichkeit, diese Zuversicht aufzubauen. Aber was ist der Unterschied zwischen der Zuversicht und dem Optimismus? Ja, also da gibt es schöne Geschichte. Da gibt es diese Anekdote von den drei Fröschen, die in einen Topf mit Rahm fallen. Und der erste Frosch ist ein Pessimist und sagt Oh je, jetzt sitzen wir hier in diesem Topf und wir kommen nicht raus. Und der Rand ist zu hoch und er trinkt sang und klanglos. Und der nächste Frosch ist der optimistische Frosch. Und der optimistische Frosch sagt Hey, keine Sorge, irgendwie wird das schon gut ausgehen. Irgendjemand wird das schon rausholen. Wir müssen nur hoffen und warten und beten. Und er hofft und wartet und betet. Und nichts passiert. Und er trinkt genauso. Und der zuversichtliche Frosch, der sagt. Oh, schwierige Lage, Ich komme hier nicht raus. Aber ich kann eine Sache tun, Ich kann strampeln. Und er strampelt also mit seinen kleinen Beinchen und hält den Kopf über der Oberfläche. Und je mehr er strampelt. Dann wird der Rahmen langsam zu Butter und er wird hart. Und er kann raushüpfen. Und was diese Geschichte zeigt, ist eben mehreres. Das erste ist, dass die Zuversicht sich keine illusionären Hoffnungen macht. Also nicht wie der Optimist, der sagt, er wird schon gut ausgehen, sondern die Zuversicht ist sehr realistisch. Die sieht das Problem sehr genau und die sieht aber auch den möglichen Ausweg das, was ich tun kann, auch wenn es vielleicht erst mal nur eine kleine Sache ist. Und das zweite, was die Geschichte lehrt, ist, dass Zuversicht manchmal nur heißt strampeln. Also nicht darauf zu warten, dass das von außen irgendwie die, die die Hilfe kommt, sondern selbst aktiv zu werden und das zu tun, was möglich ist. Und dann kommt die dritte Lehre dieser Geschichte. Dann passieren manchmal unerwartete Dinge, die man am Anfang noch nicht voraussehen kann. Und für solche unerwarteten Dinge offen zu bleiben, die sozusagen für möglich zu halten, das ist sozusagen das Geheimnis der Zuversicht. Also man könnte es auch abgekürzt sagen nicht in der Ohnmacht stecken zu bleiben, sondern das zu tun, was möglich ist, und die Hoffnung zu bewahren, dass ich auch unerwartete Entwicklungen ergeben kann. Da stellt sich mir ja doch die Frage Wie kann ich denn diese Zuversicht trainieren? Weil wenn ich in diesen Milchtopf falle, dann muss ich ja wissen, dass sie jetzt strampeln muss. Nein, du musst das irgendwie trainieren. Wir können den Ernstfall Weiß, was ich zu tun habe. Also wir können natürlich sagen, wir sind heute alle in gewisser Weise in den Milchtopf gefallen. Ja, wir stecken alle in einer schwierigen Situation und wissen zum Teil nicht genau, was zu tun ist. Und jetzt ist die Kunst, das zu sehen, was möglich ist, was wir tun können. Ja, Und der Frosch sagt, Das ist das, was ich jetzt tun kann. Ja, und dann tut er das, ohne ganz genau zu wissen, was daraus entsteht. Und ich glaube, wir haben ja häufig die Vorstellung, wir müssten schon so einen Masterplan haben, wo wir jetzt schon genau wissen, wo das Ziel ist und wo wir hinwollen. Aber häufig gibt es diesen Masterplan nicht. Gerade weil die Zeiten so unübersichtlich sind, weil sich so vieles verändert. Da ist es schwer, einen Masterplan zu haben. Und oft ist der wichtigste Schritt der erste überhaupt erst mal einen Schritt zu machen. Den Mut zu haben, loszugehen, auch wenn man noch gar nicht weiß, wo man hin, wo man am Ende landen will. Aber der Weg. Es gibt ja diesen schönen Satz Der Weg entsteht unter den Füßen. Ja, ich mache einen ersten Schritt und dann ergibt sich was Neues. Und dann mache ich einen zweiten Schritt. Und dann treffe ich vielleicht jemanden, der sagt mir Guck mal, ich habe hier die und die Erfahrung gemacht, Dann mache ich einen dritten Schritt, und am Ende lande ich irgendwo an einem Ziel, dass ich mir am Anfang gar nicht vorstellen konnte, von dem ich gar nicht wusste, dass es das gibt. Aber ich muss den Mut haben, einen ersten Schritt zu wagen. Und häufig ist das der Allerschwierigste. Also raus aus dieser Passivität, aus diesem Ohnmachtsgefühl, aus diesem Ich weiß nicht genau, was ich tun muss, den Mut zu haben, den ersten Impuls zu setzen. Du hast uns ja in einem deiner Vorträge den Rat gegeben, in unserem Leben Rituale einzubauen, die uns diese Zuversicht automatisieren, die uns helfen, uns helfen, zuversichtlich zu sein. Ja, also Rituale finde ich ganz wichtig, weil wir in einer unheimlich anspruchsvollen Welt leben, die uns mit ganz vielen Informationen sozusagen beballert. Jeden Tag. Also allein, was wir über unsere Handys an, an Information, an Kommunikation. Jemand sagte mal, wir verarbeiten heute mehr Information als ein Bauer im Mittelalter in seinem ganzen Leben. An einem Tag verarbeiten wir heute mehr Information als ein mittelalterlicher Bauer im ganzen Leben. Ja, das macht ein bisschen Angst. Es macht aber das zeigt die Herausforderung, wie viel wir gleichzeitig auf wie vielen Ebenen. Und wir? Wir reden hier und wir wissen. Irgendwo auf der Welt in Gaza ist Krieg und in der Ukraine ist Krieg. Und der Klimawandel? Das haben wir alles so im Hinterkopf. Das ist alles sozusagen Informationsrauschen, was wir tagtäglich hören und da durch zu navigieren, das ist hoch anspruchsvoll und das erzeugt bei vielen Menschen auch dieses Gefühl der Erschöpfung. Was viele spüren heutzutage, weil das muss ja alles auch irgendwie emotional verarbeitet werden. Ja, und deswegen halte ich es für so wichtig, so Rituale einzubauen, die ein in die Ruhe bringen, die dem bisschen was entgegensetzen, die auch mal so einen Freiraum schaffen. Und ein ganz einfaches Ritual ist, Abends sich für das zu bedanken, was an dem Tag gut war. Ja, denn das ist etwas. Das klingt so banal, aber ich hatte ja auch erklärt in meinem Vortrag, dass das Gehirn so negativ verzerrt ist. Das heißt, wir springen automatisch auf Gefahren und Bedrohungen viel stärker an als auf das Positive. Das Gehirn ist so eine Problemlösemaschine. Es sucht immer nach Problemen oder es konzentriert sich immer auf Probleme. Und wir sind nicht so gut darin, die positiven Dinge wertzuschätzen. Die. Sortieren wir gleich unter dem Rubrum. Ach ja, ist ja, ist ja kein Problem. Das ist kein Problem. Wenn was gut läuft, dann müssen wir es nicht so sehr beachten. Das wird dann oft so nebenbei. Es wird zwar für selbstverständlich genommen, ja, und dem was entgegenzusetzen. Da hilft dieses Ritual der Dankbarkeit, abends fünf Minuten mal zu überlegen was war heute gut? Man kann auch ein Tagebuch führen, wo man es aufschreibt. Die, die Guten. Dann ist man nämlich gezwungen, mal dieses übliche Negativmuster umzukehren. Man betrachtet sein Leben mal unter diesem Aspekt Was war heute schön, Wofür hat es sich gelohnt zu leben? Und dann stellt man überrascht fest Oh, da gibt es ja durchaus Dinge. Dieses Gespräch war schön. Oder diese. Dieser Ausblick war schön. Oder diese Begegnung. Oder der Sonnenuntergang oder was auch immer. Plötzlich stellt man fest Ach, es gibt diese Momente. Und ich glaube, gerade in solchen Zeiten, die so schwierig und anspruchsvoll sind wie heute, ist sowas ganz wichtig, das nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn inmitten dieser ganzen Schwierigkeiten gibt es eben auch dennoch diese schönen Momente. Ja. Oder freundschaftliche Momente. Oder Liebesmomente oder was auch immer. Ja, das Leben ist nicht durchgängig schwarz und dafür einen Blick zu entwickeln ist ganz wichtig. Und da helfen uns die Rituale, weil Ritual heißt ja, ich mache das regelmäßig und ich denke nicht darüber nach, ob ich es jetzt machen will oder nicht. Also Zähneputzen ist ein typisches Ritual. Ich stehe morgens nicht auf und überlege mir Putze ich jetzt die Zähne oder putze ich sie nicht? Ich mache das automatisiert. Das denkt mein Körper auch nicht groß darüber nach. Das erfordert also keinen zusätzlichen Aufwand, keine Anstrengung. Und das Gute an den Ritualen ist, dass die diese Entscheidungsanstrengung uns nicht abverlangen, sondern ich mache es, weil es ein Ritual ist. Ja, das ist total spannend, weil du ja auch über mehrere Möglichkeiten dieser Ritualisierung von Handlungen gesprochen hast, Also dass also jeder Mensch seine Rituale selber finden muss, die ihn zur Zuversicht bringen. Jetzt geht der eine in der Natur spazieren und umarmt Bäume oder meditiert im Wald. Und sehr viele Menschen feiern gemeinsam Gottesdienste. Und, und das ist ja ein bisschen unmodern geworden, einen gemeinschaftlichen Gottesdienst zu feiern, weil da haben wir ja viele Rituale, weil wir sind in der Gemeinschaft, wir haben einen ritualisierten Ablauf, wir haben einen geistig intellektuellen Input, wir singen gemeinsam. Da kommen wir zu dem Thema Resonanz. Also eigentlich ist es, wäre das ja auch eine. Ein Ritual, das helfen könnte. Absolut. Völlig richtig beobachtet. Und das finde ich auch ganz wichtig zu erkennen, dass die Religionen uns über die Jahrhunderte eine ganze Fülle von Ritualen bereitgestellt haben. Also alles, was du genannt hast. Ja, Und dann kommt noch was hinzu. Das sind ja Rituale, die ich mit vielen anderen mache und die über Jahrhunderte ausgeführt wurden. Und dadurch haben die natürlich eine ganz besondere Kraft. Das ist was anderes, wenn ich mich in so ein Ritual einklinke. Das ist was anderes, wie wenn ich mir selbst ein Ritual überlege. Also eigentlich sind diese alten Rituale unheimlich aufgeladen mit jahrhundertelanger Erfahrung, mit jahrhundertelanger Energie. Und wenn man Teil an so einem Ritual werden kann, dann spürt man da auch eine Kraft, die über die Jahrhunderte aufgebaut wurde. Und das ist eigentlich total wichtig und insofern ist es ein bisschen traurig oder schade, dass diese Rituale für viele Menschen heute ihre Kraft verloren haben, dass sie keinen Zugang mehr dazu haben, weil eigentlich war das die Rolle der Religion, diese Art von Ritualen bereitzustellen. Und wenn man an so etwas teilnehmen kann, wunderbar, Weil das sind genau diese, die machen automatisch diese Dinge, die Zuversicht spenden. Sie finden regelmäßig statt und sie finden regelmäßig statt. Anspruch nehmen und sie finden regelmäßig statt. Und ich kann da immer hingehen. Und das ist so ein anderer Punkt. Es ist unheimlich hilfreich, so ein Ritual nicht nur alleine für sich zu machen, sondern in dem Moment, wo ich das mit anderen gemeinsam mache, Da entsteht noch mal eine andere Art von Energie. Also es entsteht erstens diese Energie des gemeinsamen Tuns, soziale Energie, und es entsteht aber auch ein gewisser sozialer Druck, dann zu der Zeit dahin zu kommen. Ja, also wenn ich weiß, am Sonntagvormittag um zehn uhr ist Gottesdienst, dann bin ich dann auch eher um zehn uhr da, wenn ich mir überlege. Also ich mache nur für mich persönlich am Sonntag um zehn so ein Ritual, auch wenn es nicht passt, dann mache ich es vielleicht um elf. Und wenn es nicht passt, dann mache ich es heute Abend oder dann rutscht es aber durch und er findet es gar nicht mehr statt. Also diese gemeinsamen sozialen Taktgeber, die helfen uns ja auch, sozusagen bei der Stange zu bleiben. Und weil wir andererseits von dieser Gesellschaft wir kriegen ja permanent jeden Tag Taktgeber von der Arbeit, von den Nachrichten, von tausend Anforderungen. Das sind ja auch alles Taktgeber, die da auf uns einprasseln. Und deswegen ist es gut, wenn es so eine andere Art von Taktgeber gibt, die eben nicht, bei der wir nicht performen müssen, bei der es nicht um Erfolg geht, sondern bei der es um andere Dinge geht. Und das ist eigentlich sehr wichtig, das irgendwie in seinem Leben einzubauen, diese Taktgeber, die eben die Wertschätzung für das Leben an sich sozusagen bereitstellen und auch so etwas vermitteln wie eine positive Haltung dem Leben gegenüber und Zuversicht. Schöner Gedanke. Ich möchte jetzt auf einen Punkt eingehen, der mich auch sehr bewegt ist ja wie geht man mit diesem Negativen um? Du hast ja da Beispiele gebracht, die mit diesem Die glorreichen fünf und da kommt ja ganz am am untersten bei sechs oder bei so kommt ja dann was ganz spannendes. Aber erzähl uns von diesen glorreichen fünf ein furchtbares Erlebnis. Und was tue ich dann? Was tue ich dann? Also es ist eine Strategie, die dient quasi mit den mit dem emotionalen Wirrwarr umzugehen, den man erlebt, wenn man was Negatives erlebt. Und ich hatte das erklärt am Beispiel einer Autopanne. Man fährt mit der Familie einen schönen Ausflug machen und dann mittendrin geht der Motor aus und das Auto kommt gerade noch auf dem Standstreifen zum Halten und Motor ist tot und nichts geht mehr. Und dann ist man natürlich erstmal sauer. Ist ja völlig klar. So Stimmung sinkt unter den Gefrierpegel und jetzt muss man erstmal mit dieser Emotion umgehen. Das ist der erste Schritt von diesen glorreichen Fünf. Ich muss mit dieser schlechten Emotion, mit diesem Ärger, mit dieser Wut, die muss ich irgendwie loswerden. Und viele werden sie dadurch los, indem sie dann die anderen anpflaumen, anpflaumen den Partner an, hast du wieder nicht getankt. Oder man versucht sozusagen seinen Ärger jemand anders in die Schuhe zu schieben. Und das ist natürlich eine fatale Strategie, weil dann ist Ärger der sich und dann sozusagen dann will er seinen Ärger wieder bei mir loswerden, dann geht das so hin und her und man wird den Ärger nicht los, sondern man potenziert ihn eher noch. Die Stimmung wird noch schlechter und deswegen muss man einen Weg finden, die schlechte, die emotionale Energie auf eine andere Weise loszuwerden. Und eine gute Möglichkeit ist körperliche Bewegung. Man kann aussteigen, man kann gegen den Reifen treten oder man nimmt einen großen Stein und wirft ihn irgendwie weit weg. Körperliche Bewegung hilft, solche Emotionen abzubauen und es hilft auch, diese Energie eben nicht auf eine Person zu richten, sondern auf Dinge, wo sie keinen Schaden anrichten kann. Also das ist schon mal ganz wichtig die Energie loswerden, ohne dass sie Schaden anrichtet. So, und wenn man dann nach einer Weile merkt okay, jetzt so langsam lässt die Wut nach. Die hält ja nicht ewig an, dann kommt der zweite Schritt. Und der zweite Schritt besteht in dem Satz zu sagen Das gehört dazu. Weil das Leben ist nun mal unsicher. Wenn ich ein Auto kaufe, dann kaufe ich sozusagen die Möglichkeit einer Panne mit dazu. Ja, wenn ich eine Ehe schließe, dann kaufe ich. Dann gehört die Möglichkeit des Streits, des Konfliktes mit dazu. Das sind Dinge, die gehören zum Leben dazu. Und wenn man diesen Satz sagen kann, dann kommt man schon mal so ein bisschen raus aus dieser Ohnmachtshaltung des Opfers. Ich bin das Opfer der Umstände. Ich erkenne, das gehört dazu. Das ist der zweite Schritt. Das ist schon mal so eine emotionale Verschiebung. Ich komme da in so einen etwas anderen emotionalen Modus. Und der dritte Schritt wäre dann die Erkenntnis. Okay, ich habe mir jetzt diese Situation nicht gewünscht. Ich finde sie auch nicht toll, aber ich betrachte sie mal als Trainingseinheit, als Möglichkeit daran jetzt auch sozusagen meine Zuversicht skräfte, meine Resilienz zu stärken. Also ich weiß ja körperlich, wenn ich Muskeln aufbauen will, dann muss ich trainieren. Die bauen sich nicht von alleine auf. Und mit der Zuversicht ist es so ähnlich. Auch da brauche ich Trainingsmöglichkeiten. Also wenn ich immer nur wenn alles super läuft und ich sitze erfolgreich entspannt zu Hause auf dem Sofa, dann ist es schwer, diese Zuversicht zu entwickeln. Die Zuversicht beweist sich dann, wenn es schwierig wird. Und deswegen ist jede dieser Situation, kann ich sagen, ist eine Trainingseinheit. Und wenn ich das sagen kann das klingt jetzt erstmal so ein bisschen künstlich, aber wenn ich das sagen kann, ändert sich natürlich meine Bewertung der Situation. Also wenn ich vorher nur sage Oh Gott, das ist ja fürchterlich und Mist, dann sage ich okay, ist jetzt eine Trainingseinheit, wie kann ich damit umgehen? Dann bin ich auch selbst eher in der Rolle des Aktiveren, des selbstwirksamen, Handelnden. Ich kann jetzt was tun. Ja, vorher bin ich nur das Opfer, Jetzt bin ich ein Akteur. Und dann kommt der vierte Schritt. Und der besteht darin, sich mehrere Optionen zu überlegen. Also zum Beispiel möglichst acht mögliche Lösungen dieses Problems. Und warum acht? Weil auf ein oder zwei Lösungen kommt man relativ schnell. Ja, also Abschleppwagen anrufen oder beim Ehekonflikt zu sagen Ich trenne mich. Das ist die einfachste Lösung. Das ist aber oft nicht die beste Lösung. Ja, und wenn ich sage, okay, ich nehme nicht nur, ich suche nicht nur eine, sondern acht, dann bin ich gezwungen, kreativer zu werden. Ja, also gerade bei Ehekonflikten. Okay. Was gäbe es denn noch für Möglichkeiten? Ja, vielleicht machen wir eine Ehetherapie. Oder wir trennen uns mal auf Zeit. Oder wir versuchen mit einem Freund oder so, also da muss ich kreativ werden. Und bei acht, also drei, vier Lösungen findet man meistens auch noch relativ schnell. Aber bei acht, da wird es dann schwierig. Da muss ich auch wirklich auf Ideen kommen, die nicht so auf der Hand liegen. Und da wird es oft interessant, weil oft sind diese Lösungen dann vielleicht die, die weiterführen und dann der letzte Schritt heißt dann entscheiden. Also ich habe jetzt mir acht Optionen überlegt. Vielleicht ist auch keine optimal, aber ich muss jetzt unter den gegebenen Umständen mit dem, was ich weiß, eine Entscheidung treffen. Und das ist auch ein wichtiger Schritt, weil viele sagen Ja, aber wenn ich das entscheide, vielleicht passiert dann dies oder jenes und das ist wieder da sind wir wieder bei diesem ersten Schritt. Auch ohne die vollständige Gewissheit zu haben, dass das jetzt die perfekte Lösung ist, muss ich mich trotzdem entscheiden und diesen Schritt machen. Also mich hat ja total fasziniert, also im Zusammenhang mit der Zuversicht und den acht Lösungsvorschlägen. Weil wenn ich trainiere, mir acht Lösungen zu überlegen, dann ergibt sich daraus ja die Zuversicht, weil ich habe ja acht Lösungen gefunden und da haben wir ja diese Übung gemacht, wo ich vergessen habe, wie sie heißt, wo wir spazieren gegangen sind und wo wir. Herausfinden wollten mussten, worin wir uns sicher sind im Leben. Und da durften wir nicht nur eine Geschichte finden, sondern wir mussten ja mehrere Geschichten finden, derer wir uns sicher sind im Leben. Und ich glaube, das ist eine total wichtige Übung. Wie heißt dieses Prinzip? Das ist. Das nennt sich das Konversationsdinner. Es war die ursprüngliche Idee. Daraus haben wir das abgeleitet. Und wir nennen es jetzt die. Die Zuhörübung, Also das Konversations Dinner. Um es kurz zu erklären, ist eine Idee des britischen Sozialwissenschaftlers Robert Selden, der gesagt hat, er möchte Menschen ins Gespräch bringen, aber auf eine andere Weise als üblicherweise. Also die üblichen Gespräche Was machst du so beruflich und was mache ich? Die sind immer auf so einer bestimmten Ebene. Und er wollte Menschen auf einer existenziellen Ebene ins Gespräch bringen, die tiefer geht. Und er hat sich dazu dieses Format der Konversations Dinner überlegt. Und das besteht darin. Man bringt Menschen zusammen, die sich zum Teil nicht kennen und legt ihnen ein Menü an Fragen vor. Und zwar sehr ungewöhnliche Fragen sind das zum Beispiel so Fragen wie. Wenn du Filmschauspieler geworden wärst, in welchem Film hättest du die Hauptrolle gespielt? Ja, das ist so eine Frage, die holt einen aus meinen üblichen Mustern raus. Oder die Frage Kann man alles falsch machen? Ist auch eine sehr gute Frage, weil man dann feststellt Alles falsch, mache ich gar nicht so leicht, oder? Eine meiner Lieblingsfragen wäre der Teufel zufrieden mit dir. So, also da merkt man schon, das sind so ungewöhnliche Fragen, die einen dazu anregen, anders und tiefer nachzudenken. Und dann kommt hinzu, dass bei diesem Format das Zuhören eine enorm wichtige Funktion hat, weil wir dadurch dem anderen einen Raum geben, in dem er seine Ideen entwickeln kann, indem er mehrere Lösungen entwickeln kann. Also häufig läuft da so ein Gespräch ab. Einer sagt was und der andere hakt sofort ein und sagt Ja, da fällt mir dies ein oder ich finde das gut oder ich finde das schlecht. Also der kommt sofort mit seinen Bewertungen. Und bei dieser Übung geht es darum, sehr lange zuzuhören. Und wenn der andere dann mit seinem Gedankenbogen am Ende ist, nur zu sagen gibt es noch etwas. Und dann fängt beim anderen noch mal zum Teil ein tieferer Denkprozess an, dann kommt er vielleicht auf ganz andere Ideen und dann sagt man am Ende wieder Und gibt es noch etwas? Also man fragt zwei bis dreimal nach und dadurch entstehen bei dem anderen tatsächlich auch im Reden entstehen plötzlich neue Gedanken, auf die er vorher oder sie vorher gar nicht gekommen ist. Also das ist eine sehr interessante Übung, die sich am Anfang erst mal ganz einfach anhört. Zuhören können wir ja alle und man merkt aber, wenn man das macht. Erstens ist es ganz schön schwer zuzuhören, ohne sofort zu kommentieren. Und es verändert aber diesen, diesen Raum des Gesprächs und erzeugt tatsächlich oft genau diese Kreativität, die dann dazu führt, dass sich eben andere Gedanken, andere Ideen habe, als die, auf die ich reflexartig sofort, immer am Anfang komme. Zusammengefasst das vom Bisherigen entsteht Zuversicht, offensichtlich in Gemeinschaft mit anderen und durch tiefes Denken. Ja, ich würde es aber noch ein bisschen erweitern. Ich würde das. Ich würde gerne den Begriff der Resonanz nehmen. Also Zuversicht hat ganz viel mit Resonanz zu tun, in Resonanz mit anderen Menschen. Aber ich kann zum Beispiel auch bei einer Bergwanderung kann ich Resonanz. Wenn ich auf dem Berg alleine bin, kann ich eine Resonanz erleben mit der Natur, mit der Schöpfung, mit den Tieren. Ich bin plötzlich Teil, ich sage es mal ganz groß des Lebens. Ich kann mich als Teil des Lebens empfinden, als Teil auch eines größeren Lebenszusammenhangs. Das ist auch eine Art von Resonanz. Die hängt jetzt nicht unbedingt am anderen Menschen, aber die hängt an Resonanz mit dem, was mich umgibt. Und ich glaube, alle Dinge, die so eine Art von Resonanz auslösen, die haben auch so eine zuversichtliche Wirkung. Also am einfachsten erlebt man die Resonanz ja, wenn man mit anderen zusammen singt im Chor, denn da erlebt man die Resonanz regelrecht körperlich. Man spürt sie, man spürt diese akustischen Schwingungen nicht nur von sich selbst, sondern auch von den anderen. Also da hat man das mal so ganz handgreiflich, aber man kann Resonanz auf ganz viele Arten erleben. Und jeder Mensch hat auch so ein bisschen individuelle Resonanzquellen. Also der eine hat mehr mit der Musik, der andere vielleicht mit der Kunst. Meine Mutter, die hatte die Resonanz in ihrem Garten, die liebte die Gartenarbeit. Und die kommt von einem Bauernhof und die war also Zeit ihres Lebens hat sie immer im Garten Gemüse angebaut. Und die war am Ende, hatte die große Schmerzen. Die hatte Arthrose, die konnte kaum noch gehen. Aber wenn die in ihrem Garten war, dann waren die Schmerzen nur noch halb so stark. Dann war sie in einer anderen Art von von Resonanz. Und das war bis zum Schluss ihr Lebenselixier. Ja, also die hatte die Gartenarbeit Resonanz und ich glaube, wenn man so etwas hat, dass bei einem Resonanz auslöst, das ist ein ganz wichtiges, Ist was ganz Wichtiges, das man unbedingt auch pflegen muss. Abschließend zu unserem Gespräch Also, weil man so schön über den Garten gesprochen haben und über den Raum, in dem Resonanz stattfinden kann, stellt sich mir natürlich die Frage des Unternehmens. Wir sind zehn Stunden am Tag in unserem Unternehmen. Wie Wie muss ein Unternehmen sein oder Wie sollte ein Unternehmen sein? Wir kennen hierarchische Unternehmen, wir kennen Netzwerkorganisationen, die sind noch ein bisschen unterentwickelt. Aber wie muss ein Unternehmen sich aufstellen, dass es der Resonanzraum gibt, dass es der Zuversicht Raum gibt, dass es dem guten Gespräch Raum gibt, dass es dem tiefen Denken Raum gibt? Also es braucht natürlich Leute, die sich dessen bewusst sind, dass das wichtige Dinge sind, die nicht nur auf Effizienz und Output gucken, sondern die auch auf die Stimmung gucken. Ich hatte in meinem Vortrag diese Studie von Google vorgestellt. Die Erfolgsfaktoren von erfolgreichen Teams gesucht haben. Was macht Teams erfolgreich und festgestellt haben. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die Atmosphäre im Team. Wie kommunizieren Sie miteinander? Fühlen sich die Menschen psychologisch sicher im Team oder bin ich permanent dabei, mich zu verteidigen, mich mit anderen zu streiten und so? Und ich glaube, wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn man in so einem positiven Team arbeitet. Und vielleicht wissen auch manche, wie es sich anfühlt, wenn man in so einem negativen Team arbeitet. Da kann man unglaublich viel Energie verbrennen. Nur mit diesen zwischenmenschlichen Konflikten, die da oft entstehen. Und ein gutes Management bzw. Das ist nicht nur alleine Aufgabe des Managements, sondern da sind ja alle beteiligt. Es kann nicht nur der der Chef oder die Chefin vorgeben, sondern alle arbeiten daran mit. Und wenn es dafür ein Bewusstsein gibt, wie wichtig diese Stimmung ist, wie wichtig auch die, die gute Kommunikation miteinander ist, dann kann da im Laufe der Zeit sowas entstehen, wo man sich einfach wohl fühlt, wo man auch das Gefühl hat, ich gehe da gerne hin. Vielleicht auch, wenn die Arbeit anstrengend ist, aber ich gehe da gerne hin, weil ich das mit anderen gemeinsam mache. Oft ist es ja auch so, dass er neben mir zum Beispiel in der Redaktion. Manchmal ist es sehr hektisch, manchmal ist es großer Stress. Aber wenn man dann mit anderen über die Situation lachen kann, ja, dann macht einer. Man ist alle, alle sind irgendwie total angespannt und er macht einen blöden Witz und alle lachen und schon ist die Situation anders. Es ist ein Unternehmen mit Humor, ein Unternehmen mit Humor. In einem Unternehmen, in dem gelacht wird. Da kann nicht viel falsch laufen. Ja, dann sage ich Vielen Dank für dieses Gespräch. Das war auch ein guter Abschluss mit dem Humor. Den nehmen wir uns jetzt mit. Vielen Dank und alles Gute noch Und vielen Dank für die Resonanz. Umgekehrt von eurer Seite und ebenfalls alles Gute. Dankeschön. Zuversicht entsteht in Gemeinschaft und durch Resonanz. In diesem Sinne sagen wir Danke für Ihr Mitschwingen, fürs Zuhören und fürs Weiterempfehlen. Hören Sie sich gerne weitere Folgen unseres Podcasts an und besuchen Sie uns auf unserer Website www.stadtmarketing .eu. Dort finden Sie nicht nur spannende Beiträge darüber, was Städte lebenswert macht. Sie können sich dort auch für unseren Newsletter eintragen, um mit uns am Puls der Zeit zu bleiben. Danke fürs Zuhören bis hierher. Zum Abschluss noch eine kurze Frage Was haben Sie heute schon Schönes erlebt? Wir wünschen Ihnen wachsende Zuversicht und freuen uns auf ein Wiederhören bei der nächsten Folge der Urban Insights.